Im Supermarkt springt es einem sofort ins Gesicht: „Mit viel Protein“, „Proteinreich“, „Protein-“ Brot, Joghurt, Quark, sogar Kaffee.
Proteine sind wichtig für unsere Gesundheit und unseren Körper, keine Frage. Sie gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Ebenso wie Kohlenhydrate und Fette. Doch im Gegensatz zu den gängigen Low Carb- oder Low Fat-Diäten würden wohl nur die wenigsten auf die Idee kommen, auf Proteine in der Ernährung zu verzichten.
Alle Grundnahrungsmittel sind wichtig für unsere Gesundheit. Ein langfristiger Verzicht führt zwangsläufig zu einer Mangelernährung. So ist also gut und wichtig, Proteine in die tägliche Ernährung zu integrieren, aber eben auch Fette und komplexe Kohlenhydrate.
Der Protein-Hype ist für die Nahrungsmittelindustrie eine tolle Möglichkeit, die Produktpalette zu erweitern und neben den Low Carb- und Low Fat-Produkten auch High Protein-Produkte anzubieten. Je mehr Menschen also der Meinung sind, sie müssten täglich einen extra Proteinkick haben, desto lukrativer für die Industrie. Daher besteht auch kein großes Interesse, etwas daran zu ändern.

Dass ich Proteine auf keinen Fall verteufeln möchte, ist hoffentlich klar geworden. Im Gegenteil: Proteine spielen eine entscheidende Rolle bei Transportfunktionen im Körper, beim Muskelaufbau, bei der Immunabwehr und vielen weiteren Dingen. Man kann aber tatsächlich auch zu viel Protein zu sich nehmen – so wie es bei den meisten Dingen der Fall ist.
Der täglich benötigte Proteinbedarf entspricht ca. 0,8 g pro KG Körpergewicht pro Tag. Also ein Mensch, der 70 kg wiegt, benötigt ungefähr 56 g Eiweiß am Tag.
Es macht übrigens auch einen Unterschied, ob die Proteine aus tierischen oder pflanzlichen Eiweißquellen kommen. Es gibt Forschungen, die zeigen, dass die günstige Zusammensetzung aus Aminosäuren in pflanzlichen Lebensmitteln sich positiv auf den Blutdruck auswirken und das Risiko einer Diabeteserkrankung reduzieren kann. Tierische Proteine können den Körper dagegen eher zusätzlich belasten, weil sie oft stark verarbeitet sind.

Den täglichen Bedarf an Proteinen kann man über eine ausgewogene Ernährung in der Regel leicht decken. Im Optimalfall wird das Eiweiß über den Tag verteilt über die Mahlzeiten aufgenommen und nicht die komplette Menge mit einer Mahlzeit. Dabei sollt der Fokus auf pflanzlichen Eiweißquellen liegen. Ein paar davon habe ich hier einmal aufgelistet:
Gehalt auf 100 g, ca.:
| Bohnen | 20 g |
| Linsen (je nach Art) | 23-25 g |
| Kichererbsen | 19 g |
| Weizenkeime | 29 g |
| Haferflocken | 11 g |
| Bulgur | 12 g |
| Quinoa | 12 g |
| Amarant | 12 g |
| Couscous | 12 g |
| Dinkel | 12 g |
| Samen wie Lein-, Chiasamen oder Kerne | 22-37 g |
| Nüsse und Nussmus | 16-25 g |
| Brokkoli | 7 g |
| Spinat | 2,5 g |
| Pilze (je nach Art) | 2,5-9,5 g |
